Szene Götterdämmerung bei den Bayreuther Festspielen. Siegfried mit den Rheintöchtern.

Götterdämmerung – ein würdiges Ende

„Man merkt, das ist die letzte Vorstellung – da geben alle nochmal ihr Bestes“ – der Pausentalk nach dem ersten Akt beschreibt kurz und treffend die „Götterdämmerung“ am letzten Tag der Bayreuther Festspiele. Und während die beiden Damen in der Schlange vor den Bratwürsten noch schwärmen, ist’s hinter den Kulissen im Festspielhaus schon hektisch. Catherine Foster hat sich am Fuß verletzt, „Muskelfaserriss“ schreibt sie auf Facebook. Singen kann sie noch, spielen aber nicht, weshalb Regieassistent Patric Seibert als Dauerstatist noch einen Kollegen auf die Bühne bekommt – Andreas Rosar meistert den Auftritt im Glitzerkleid als Brünnhilde ganz hervorragend.

Applaus Götterdämmerung bei den Bayreuther Festspielen.

Riesiger Applaus für alle Mitwirkenden, vor allem für Catherine Foster, die mittlerweile im Rollstuhl Platz genommen hat, und ihr Double Andreas Rosar. © R. Ehm-Klier, festspieleblog.de

Techniker auf der Bühne

Und so wird es am Ende nicht nur ein großartiger, sondern auch ein denkwürdiger Abend, an dem das ganze Team auch noch mit der Herausforderung der verletzten Brünnhilde fertig wird. Das Publikum mag zum Schluss das Haus vor Begeisterung gar nicht verlassen. Immer wieder werden die Sängerinnen und Sänger auf die Bühne geholt, inklusive Catherine Foster, die sich ein paar Mal noch auf Krücken vor den Vorhang müht, dann aber doch im Rollstuhl Platz nimmt. Noch eine sympathische Geste: Die Technik samt technischem Direktor Christoph Bauch sowie die Inspizienten, Maske und Kostüm versammeln sich auf der Bühne und bekommen einen verdienten Anteil am Erfolg dieses Abends.

Schwer zu toppen

Man mag von der Regie halten, was man will. Musikalisch und darstellerisch ist diese Götterdämmerung schwer zu toppen. Das begann schon mit den großartigen Nornen Wiebke Lehmkuhl, Stephanie Houtzeel und Christiane Kohl und endete beim improvisierten Abgang von Brünnhilde, die Catherine Foster auch während der beiden letzten Akte mit Bravour meisterte. Markus Eiche war ein Muster-Gunther: schwacher Charakter, starke Stimme. Als seine „Schwester“ Gutrune überzeugt Allison Oakes, die sich richtig warmgespielt hat in dieser Partie, allein ihr hysterischer Abgang nach Siegfrieds Tod war große Klasse. Eine großartige Leistung zeigte wieder Stefan Vinke als Siegfried und ein Hagen-Traum ist einfach Stephen Milling als Hagen. Selbst die kleineren Partien dieses Mammutwerks waren glänzend besetzt – mit Albert Dohmen als düsterer Alberich und Marina Prudenskaya als mahnende Waltraute.

Szene Götterdämmerung bei den Bayreuther Festspielen, 28. August 2017, Gunther und Gutrune.

Großartig: Allison Oakes als Gutrune und Markus Eiche als Gunther. © Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

Hagen Stephen Milling und Chor. Szene Götterdämmerung bei den Bayreuther Festspielen.

Tiefdunkel und beängstigend: Stephen Milling als Hagen mit dem Chor in der Götterdämmerung. © Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

Orchester brillant

Dass der Abend nicht nur fürs Publikum, sondern auch fürs Orchester ein besonderer war, war unüberhörbar. Es lief einfach durchgehend perfekt. Nach dem wunderschönen Schluss blieb es tatsächlich einmal für ein paar Sekunden andächtig ruhig, bevor der Applaus losging – und nicht mehr enden wollte. Nur einige wenige Herrschaften zeigten outeten sich als ignorant und buhten Andreas Rosar aus. Dabei hatte der seine für ihn sicher nicht lustige Aufgabe hervorragend und mit allem Ernst der Lage gemeistert. Die Buhmänner hatten wohl gedacht, es sei ein letzter Regiegag.

Ansonsten befeuerten sich die Zuhörer auf den Rängen und im Parkett immer wieder mit rhythmischem Applaus, zwangen ein ums andere Mal Dirigent Marek Janowski und die Sänger vor den Vorhang. Ein würdiges Ende für den „Ring“. Blieb am Ende noch die Frage, ob es den Castorf-Ring jemals auf DVD geben wird. Das ist noch nicht geklärt. Immerhin ist das Werk 2016 von Sky Arts aufgezeichnet worden, eine DVD-Produktion ist also durchaus möglich.

4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Dr. J.Winter
    26. Juli 2019 20:24

    So kann nur jemand schreiben, der weder Wieland W., noch Chereau gesehen (und gehört!!) hat.
    Hier war einzig Janowski festspielwürdig!
    Castorfs Obsessionen haben mit dem wagnerschen “Ring”, der hier überhaupt keiner war, rein gar nichts zu tun!
    Ab auf die Couch!

    Antworten
  • Dr. Helmuth Buchsbaum
    27. März 2018 11:49

    Dieser Ring gleichrangig mit der Chereaufassung ?
    Solche Inszenierungen gehören in die Tonne.
    Warum waren im Onlineshop der Festspiele
    noch wochenlang Karten für den Ring zu haben ?
    Warum wurden bei Auktionen 50 % Nachlass
    angeboten ?

    Es gibt nur eine Antwort: Schwachsinn verkauft sich schlecht.
    Der gemeine Bayreuthfahrer hat die Antwort gegeben.

    Antworten
  • Dr. Arthur K. Micke
    18. März 2018 23:19

    ich habe nur den Castorf-“Siegfried” über mich ergehen lassen und war von dem Quatsch nicht angetan, nur der Schlingensief-“Parsifal” war belangloser und abgeschmackter. Provokation ohne Kunst ist nur Provokation. Vom Gesamtkunstwerk bleibt nur die Musik – da brauche ich keine DVD…

    Antworten
  • Dr. Friedrich und Luise Straßer
    20. Januar 2018 10:38

    Die Veröffentlichung dieses Rings als DVD ist kulturpolitisch zwingend.
    Er steht unseres Erachtens gleichrangig neben dem Jahrhundertring von Chereau und Boulez und ist auf der Höhe der Zeit.
    Wir sind deshalb sogar ein Sky-Abonnement eingegangen, was uns sonst nie eingefallen wäre.
    Wir haben diesen Ring viermal in Gänze gesehen und 2016 nur die Einzelvorstellung der Götterdämmerung, da wir den künstlerischen Schnitt weg von Petrenko zu Janowski und von Koch zu Paterson/Lundgren erst verarbeiten wollten. Dass es dann auch nach dem Wechsel wieder großartig wurde, unterstreicht die künstlerische Potenz dieses Rings.
    Wir waren in der allerletzten Vorstellung mit der verletzten Catherine Foster und am finalen Beifallssturm beteiligt. Ein unvergessliches Erlebnis.
    Mehrmals schon haben wir sowohl die Bayreuther Festspielleitung als auch Sky gebeten, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und den 2. Jahrhundertring im neuen Jahrtausend der Nachwelt auf DVD zu erhalten. Mehr können wir nicht tun.
    Aus der Flut der veröffentlichen Banalitäten würde eine DVD mit diesem Ring wie ein Leuchtturm hervorragen.
    Übrigens wäre es ein zweites kulturpolitisches Anliegen, die grandiosen Bühnenbilder zu erhalten. Castorf/Denic waren nie besser, nicht mal in ihren Schauspielbühnen-Produktionen.

    Beste Grüße
    Dr. Friedrich und Luise Straßer
    Nürnberger Str. 330
    93059 Regensburg
    friedrich.strasser@gmx.de

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