Kleiner Umweg für große Taschen: Der Container im Park unterhalb des Festspielrestaurants. © R. Ehm-Klier/festspieleblog.de

Bayreuther Festspiele vor der Premiere

Die Eröffnung der Bayreuther Festspiele steht bevor. Und so viel Lärm, wie in den vergangenen Wochen gemacht wurde, so still wird es an diesem 25. Juli 2016: Kein roter Teppich, kein Staatsempfang nach der Premiere. Auch Bayreuth trauert nach der Amoktat von München. Die Mitwirkenden der Festspiele haben die Premiere den Opfern gewidmet. Was würde sich da besser eignen als „Parsifal“, das Bühnenweihfestspiel von Richard Wagner? Seine Utopie einer gewaltlosen Welt (hier der Bericht von der Erklärung der Bayreuther Festspiele)

Eine Vorschau, ein Rückblick

Wenn der Eröffnungsrummel wegfällt, richtet sich der Fokus statt auf die Kleider der Promis auf die Kunst. Nach der zurückliegenden Generalprobenwoche dürfte die in diesem Jahr ziemlich positiv ausfallen. Umbesetzungen – so viel daran auch kritisiert wird – können durchaus ihren Sinn haben. „Brillante Besetzung!“, schwärmt zum Beispiel ein Wagner-Kenner nach dem „Siegfried“. Das bestätigt sich bei der Götterdämmerung, in der auch Dirigent Marek Janowski angekommen zu sein scheint im schwierigen Bayreuther Festspielhaus. Mit großer Leidenschaft und flottem Tempo (1:50 Std. für den 1. Akt) führt er durch den letzten „Ring-Abend“.

Bestnoten vom oft sehr kundigen Generalprobenpublikum gab es auch nach dem „Tristan“ für die neue Isolde Petra Lang und die Sängerauswahl von Parsifal. Über die Regie wird indes wenig bekannt, nur, dass sich daran wie immer die Geister scheiden.

Interessant in Bayreuth ist ja, dass zum Teil mehr über das Drumherum als um die Festspiele selbst diskutiert wird. So waren zum Teil spektakuläre Umbesetzungen der letzten Tage kaum der Rede wert: Zum Beispiel, dass ein Günther Groissböck “einfliegt”, um eine nicht wirklich sensationelle Rolle wie den Fasolt (Rheingold) zu übernehmen, weil Andreas Hörl krankheitsbedingt ausfällt; oder Georg Zeppenfeld, der mit Marke (Tristan) und Gurnemanz (Parsifal) wahrlich nicht über mangelnde Auslastung klagen kann, kurzfristig noch an drei Ring-Abenden als Hunding (Walküre), ebenfalls für Hörl einspringt. Relativ unbeachtet ging ebenso der Partienwechsel der Sieglinde (Walküre) von Jennifer Wilson an Heidi Melton ab. Jennifer Wilson nannte als einen Grund auf ihrer Facebook-Seite gesundheitliche Probleme.

Noch im Juni wurde bekannt, dass Thomas J. Mayer die Titelpartie in “Der fliegende Holländer” übernimmt und John Lundgren, ursprünglich dafür vorgesehen, nun anstatt  Mayer die Partie des “Wanderer” in Siegfried singt. Auch hier waren es gesundheitliche Probleme, die zum Wechsel zwangen (hier der Bericht).

Eine Aufreger-Personalie gab es natürlich: Dirigent Andris Nelsons schmiss Ende Juni sein Parsifal-Engagement mitten in den Proben (hier der Bericht). Nachdem sich der Staub einigermaßen gelegt und der Ersatz durch Hartmut Haenchen durchwegs goutiert wird, kann man Herrn Nelsons um seine Freiheit, aus einem Vertrag ohne Rücksicht auf Verluste aussteigen zu können, durchaus beneiden. Hier unterscheidet sich die herkömmliche Arbeitswelt vom Künstlertum doch erheblich.

Kanzlerin kommt zu einem “späteren Zeitpunkt”

Auch wenn zur Festspieleröffnung kein roter Teppich ausgerollt wird, weil auch die Stadt laut Festspiel-Mitteilung, den Empfang der Gäste abgesagt hat, natürlich findet die Premiere statt. Auch so ein Gerücht, das am Vortag kurz hochkochte, nachdem „Seehofer die Premiere abgesagt“ hatte, wie in einer Online-Meldung zu lesen war. Es ist natürlich nur seine Teilnahme an der Premiere, die der Ministerpräsident gecancelt hat.

Anderswo wurde darüber spekuliert, warum Kanzlerin Angela Merkel nicht zur Premiere kommt. Ob sie denn Wagners Stabreimen überdrüssig sei, wurde z. B. im “Spiegel” gefragt und damit wieder ein willkommener Seitenhieb auf diese Festspiele gesetzt. Die Nachfrage bei der Stadt Bayreuth ergibt mitnichten Überdruss an Wagner: “Die Kanzlerin kommt zu einem anderen Zeitpunkt als Privatperson“, erfahren wir im Bayreuther Rathaus.

Auf Einladung der Stadt kommen jährlich zur Premiere am 25. Juli die Promis. Für 200 Gäste kauft die Stadt eigenen Angaben zufolge  die Karten bei den Festspielen zum herkömmlichen Preis, wie die  Pressestelle der Stadt betont. Kanzlerin und  Ministerpräsident stehen übrigens als Repräsentanten der Mitgesellschafter der Bayreuther Festspiele, die da Bundesrepublik Deutschland und Freistaat Bayern heißen, auf der Gästeliste.

Riesentaschen in den Container

In der Generalprobenwoche wird nicht nur im Festspielhaus der Alltag getestet, sondern auch drumherum. Die Sicherheitsmaßnahmen haben zumindest an diesen Tagen keine Verzögerungen verursacht. Die Damen und Herren, die an den Eingängen die Karten unter die Lupe nehmen, sind höflich, aber weisen freundlich und bestimmt Damen  mit zu großen Taschen ab. Die sind im Festspielhaus tabu, ebenso Kissen (es geht auch ohne!), spitze Gegenstände und Behälter mit Flüssigkeit, wobei man sich fragt, wer mit so etwas auch ohne Sicherheitsvorkehrungen in eine Oper geht.

Kleiner Umweg für große Taschen: Der Container im Park unterhalb des Festspielrestaurants. © R. Ehm-Klier/festspieleblog.de

Kleiner Umweg für große Taschen: Der Container im Park unterhalb des Festspielrestaurants. © R. Ehm-Klier/festspieleblog.de

Jedenfalls kennen die Wachleute kein Pardon: Wer ähnliches bei sich hat, wird zum Container geschickt. Der steht unterhalb des Festspielrestaurants (im Park, hinter der Dauerausstellung „Verstummte Stimmen“), ist beaufsichtigt und die Abgabe kostet nichts, außer ein paar Minuten Zeit. Aber wer mit reisegepäckartiger Tasche und auf den allerletzten Drücker kommt, hat’s nicht anders verdient, als darum einen ersten Akt zu verpassen.

Fußgängerzone ums Festspielhaus

Währenddessen erlebt man um das Festspielhaus zwar einige Sicherheitszäune, muss auch, so man nicht auf dem Groß-Parkplatz das Auto abstellt (5 €), ein paar Meter Umweg gehen, weil man ja nicht mehr von allen Seiten das Haus erreichen kann, dafür ist zwei Stunden vor Beginn der Aufführung, in den Pausen und nach dem Schluss die ganze Siegfried-Wagner-Allee eine ruhige, große Fußgängerzone. Und weil es auch nur noch eine Zu- und Abfahrt gibt, hatte man in der letzten Woche den Eindruck, dass sich der Stau nach den Aufführungen viel schneller auflöst, weil das ungeduldige Gedränge von allen Seiten und in alle Richtungen nicht mehr möglich ist. Wer mag, kann also auch Vorteile am Sicherheitskonzept erkennen.

Parkverbot rund ums Festspielhaus Bayreuth am Premierentag, hier in der Tristanstraße. © R. Ehm-Klier/festspieleblog.de

Parkverbot rund ums Festspielhaus Bayreuth am Premierentag, hier in der Tristanstraße. © R. Ehm-Klier/festspieleblog.de

Hinauffahren dürfen nun wirklich nur noch Personen mit Schwerbehinderten-Ausweis. Und vermutlich der eine oder andere Minister mit offiziellem Dienstfahrzeug. So gibt es vielleicht am Ende doch noch  Promis zu sehen, auch ohne roten Teppich.

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