Anja Kampe und Johan Botha in Walküre II. Foto: Enrico Nawrath, Bayreuther Festspiele

„So schlimm ist der Castorf doch gar nicht“

Schluss der Walküre: Der Feuerring, der sich allerdings nicht um Brünnhilde legt. (Foto: Enrico Nawrath, Bayreuther Festspiele)

Das „Rheingold“ gestern war so etwas wie der filmische Auftakt des „Ring des Nibelungen“. Wer nun davon ausgeht, es geht so munter weiter, wird bei „Walküre“ heute eines Besseren belehrt:  Heute gibt’s „große Oper“, wie Wagner-Experte Dr. Sven Friedrich ankündigt: „Ich bin hier ja immer geneigt, mich zu fragen, meint Castorf das jetzt wirklich ernst?“. Denn tatsächlich passiert wenig Überraschendes: Die „Walküre“ ist eine  konventionelle Inszenierung mit richtiger Personenführung, schönen Kostümen, Wotan ist kein Mafia-Boss, Fricka eine Prinzessin, es gibt sogar ein echtes Schwert, das Siegmund aus einem echten Baumstumpf zieht.

Die Geschichte der Geschwisterliebe von Siegmund und Sieglinde spielt vor und in der Kulisse der Ölfördertürme von Baku. Das Motiv des Öls wird fortgesetzt, „aber ein roter Faden ist das nicht, das sind rote Kleckse, die immer wieder kommen. Man könnte Ölfarbkleckse dazu sagen“, schmunzelt Friedrich.

Die Handlung wird verknüpft mit der Geschichte der russischen Revolution. „Kaum bekannt ist ja, dass der junge Stalin von Tiflis nach Baku gegangen ist und dort bei Rothschild arbeitete. Das sind die Subtexte, die uns jetzt begleiten“, erklärt Sven Friedrich die Regie dieses ersten großen Ring-Abends. Im Grunde sieht das Publikum aber, von der Ölförderstelle in Baku und der  Subgeschichte der russischen Arbeiterbewegung einmal abgesehen, „eine total konventionelle Geschichte, die sich von Chereau fast überhaupt nicht unterscheidet“, sagt Friedrich. Verzückung herrscht darum durchwegs am Schluss: „Wenn der Ring nach der Walküre zu Ende wäre, wäre die Produktion ein Riesenerfolg“, sagt Sven Friedrich, glaubt aber, dass Castorf die Zuschauer ganz bewusst auf die falsche Fährte lockt, „um ihnen dann mit dem ‚Siegfried‘ umso drastischer eine über die Rübe zu hauen.“

Die Regie von „Walküre“ ist schnell erklärt.  Die Geschichte spielt vom Beginn der Ölförderung in Aserbaidschan im 19. Jahrhundert und endet 1942, mit der Evakuierung der Bohrstelle, wo das Feld aufgegeben wurde, weil die deutschen Truppen vorrückten. „Das ist alles relativ plausibel“, sagt Friedrich und lacht: „Am Ende denkt man, toll – so schlimm ist der Castorf doch gar nicht“.

Eine Gesamtbetrachtung zur Ring-Regie: https://www.festspieleblog.de/2014/08/reden-wir-ueber-regie/

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