Alternativ-Programm

Freuen sich über den Schlussapplaus: die Hornisten des Festspielorchesters (F: ek)

Wie lang wäre die Schlange am Schlosstor wohl gewesen, hätte nicht in Bayreuth das Konzert der Stipendiaten stattgefunden, wäre nicht ein „Parsifal“ in Kurzform gegeben worden? Egal: Auch so war es eine beachtliche Kulisse von rund 500 Besuchern, auf die die Hornisten des Bayreuther Festspielorchesters von ihrer Bühne herunterschauten. Und Zuschauer wie Musiker gemeinsam genossen die stilvolle Atmosphäre von Schloss Wernstein (bei Kulmbach), in dessen Hof Iris von Künßberg-Schmidt liebevoll für dieses Alternativ-Programm am festspielfreien Tag angerichtet hatte. Sie und Michael Lösch, seit 20 Jahren Hornist beim Festspielorchester und Mitglieder der Nürnberger Staatsphilharmoniker, hatten 2012 erstmals dieses Konzert gestemmt   und acht von 18 Festspielorchester-Hornisten traten nun zum dritten Mal hier auf – natürlich am festspielfreien Tag, sonst ist ja keine Zeit.

Erneut gestalteten Michael Lösch und seine Kollegen Bernhard Krug (Gewandhausorchester Leipzig), Thomas Ruh und Carsten Duffin (beide Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, München),  Horst Ziegler (Sinfonieorchester Freiburg Baden-Baden), Frank Demmler (Staatsorchester Unter den Linden, Berlin), Timo Steininger (Konzerthausorchester Berlin) und Johannes Winkler (MDR-Sinfonieorchester, Leipzig) einen entspannenden Abend, bei dem sie selbst jede Menge Spaß hatten. Denn freilich stand Wagner auf dem Programm, aber auch Barockes zum Beispiel von Telemann und Modernes wie „Rocky“ oder die Titelmelodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“. Dass die Acht – sie wurden von Holger Brust am Schlagzeug (Bamberger Symphoniker) unterstützt – ihr Handwerk beherrschen, keine Frage und damit ein Erlebnis live anzuhören. Zumal die hochprofessionellen Musiker auch für Abwechslung sorgen können: Während das Publikum bei den Bayreuther Festspielen von Fanfarenbläsern aus der Pause geholt werden, posierten sich an diesem Abend drei  der Hornisten  vor dem mittlerweile beleuchteten Schloss und „läuteten“ mit Alphörnern den zweiten Teil ihres Konzerts ein. Unterhaltsam waren dazu die kurzen Erklärungen, die Michael Lösch zum jeweiligen Stück gab, und die „literarischen Einlagen“ von Johannes Winkler.

Am Ende ging dem Oktett das Programm aus. Kein Wunder, eine Zugabe reichte nicht aus: Nach dem  Nibelungenmarsch wurden sie ein zweites Mal  hinauf geholt auf die Bühne.  Und es gab noch einmal den Pilgerzug aus Wagners „Tannhäuser“. Den kann man sowieso nicht oft genug hören – schon gar nicht in dieser Besetzung.

Nach so einem Abend – mit aufgehendem Mond als Abrundung der perfekten Kulisse und ohne Regen! – wird schon am Hornisten-Konzert 2015 gefeilt. Tipp: Unbedingt vormerken! – ek

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