Bei der Pressekonferenz 2019 der Bayreuther Festspiele in der Ring-Lounge

Bayreuther Festspiele 2020: Die Jugend an den „Ring“

Das Geheimnis ist gelüftet: Pietari Inkinen, ein junger finnischer Dirigent, seit 2017 Chefdirigent der Deutschen Radio Philharmonie und außerdem Chefdirigent des Japan Philharmonic Orchestra, der Prager Symphoniker und der Ludwigsburger Schlossfestspiele, wird den Ring des Nibelungen 2020 der Bayreuther Festspiele musikalisch leiten. Von einem „sehr, sehr begabten Dirigenten“ schwärmte  Festspielleiterin Katharina Wagner bei der traditionellen Pressekonferenz am Vortag der Premiere 2019 (24. Juli), als die lange erwarteten Namen nun offiziell bekannt gegeben wurden.  

Spannung hoch vier

Es ist ja immer eine große Spannung, wer denn die Neuinszenierung im nächsten Jahr übernimmt – der „Ring des Nibelungen“ steht auf dem Programm, also vier Werke, also Spannung hoch vier. Der Regisseur ist – Valentin Schwarz. Den Namen des jungen österreichischen Regisseurs (Jahrgang 1989) hatte keiner auf der Liste gehabt. Dabei waren im Vorfeld schon eifrig Kandidatinnen gehandelt worden. Katharina Wagner hatte allen Grund zum Schmunzeln, als sie fast enttäuscht darauf angesprochen wurde, dass doch eine Frau als Regisseurin erwartet worden war – oder vielleicht sogar vier Regisseurinnen, die sich den „Ring“ aufteilen. „So etwas hatten andere ins Auge gefasst“, konterte die Festspielleiterin gelassen entsprechende Nachfragen. Ein Modell, das schon in Stuttgart und zurzeit in Chemnitz erfolgreich läuft, soll nun nicht in Bayreuth nachgeahmt werden. Es würde – zurecht – nur den Vorwurf einbringen, die Festspielleiterin habe keine eigenen Visionen für die Zukunft und könne nur anderswo abkupfern.

Katharina Wagner hat ein Ziel offensichtlich erreicht – die Bayreuther Festspiele sind nicht erwartbar, nicht berechenbar und überraschen. Establishment, gerne. Aber nicht nur in der eigenen Soße schmoren. Sie will junge Leute am Regietisch, solche, die etwas zu sagen haben, so wie in diesem Jahr Tobias Kratzer, der zusammen mit Rainer Sellmaier (Bühne/Kostüm) und Manuel Braun (Regie) den Tannhäuser neu zeigt. Die drei sind ebenso wie Yuval Sharon (Lohengrin) noch unter 40 Jahren und die Festspielleiterin selbst, die in diesem Jahr letztmals ihren „Tristan“ zeigt, hat diese Altersgrenze ja auch gerade erst überschritten. 

Beim Ring Award entdeckt

Auf den Regisseur und seinen Ausstatter Andrea Cozzi war Katharina Wagner beim Ring-Award in Graz aufmerksam geworden, wo das Team 2017 den Hauptpreis, den Publikumspreis sowie zahlreiche Sonderpreise in Form von Inszenierungsangeboten bekommen hat. Eines davon kam vom Gipfel der Wagner-Kunst – aus Bayreuth. Das Konzept und das, was bisher vom Ring 2020 vorliegt, findet die Festspielleiterin jedenfalls ziemlich vielversprechend und spannend. 

Große Ring-Besetzung

Wer denn wirklich bekannte Namen haben will – er wird nicht enttäuscht. Wir blicken auf die Besetzungsliste: Wotan singt Günther Groissböck, das haben wir ja bereits vermeldet. Groissböck singt alle drei Ring-Wotane bzw. Wanderer. Dafür wird es drei Brünnhilden geben, aus dem einfachen Grund, weil diese sich anbieten, erklärte Katharina Wagner eine entsprechende Nachfrage wegen der Partien-Teilung: Petra Lang in Walküre, Daniela Köhler – ein Debüt für die junge Sängerin – ist die Göttertochter in „Siegfried“, Christine Goerke in „Götterdämmerung“. Auch der Siegfried wird geteilt: In Siegfried singt Andreas Schager, in Götterdämmerung übernimmt Stephen Gould. Klaus Florian Vogt gibt sein Bayreuth-Debüt als Siegmund, Lise Davidsen, auf die man sich in diesem Jahr auf die „Elisabeth“ in Tannhäuser freuen darf, ist nächstes Jahr zusätzlich als Sieglinde zu erleben. Weitere bekannte Namen: Christa Mayer als Fricka, Georg Zeppenfeld als Hunding, John Lundgren als Alberich, Wilhelm Schwinghammer als Fafner, Arnold Bezuyen als Mime. 

Die Frauenthemen werden erfreulicherweise bei den Bayreuther Festspielen zurzeit nicht nur in den Inszenierungen weit oben angesiedelt. Ja, sagte die Festspielleiterin, es werde eine Frau am Dirigentenpult geben – 2021, wenn eine Neuinszenierung von „Der fliegende Holländer“ auf dem Spielplan steht. Wer das ist? Vielleicht führt die Spur wieder nach Graz. Katharina Wagner wünschte jedenfalls viel Spaß beim Spekulieren.

Bild oben: Reden über das Programm der Bayreuther Festspiele 2019 (von links): Dr. Marie Luise Maintz, Kuratorin des Reihe „Diskurs Bayreuth“, Festspielleiterin Katharina Wagner, Geschäftsführender Direktor Holger von Berg, Tannhäuser-Regisseur Tobias Kratzer und Tannhäuser-Dramaturg Konrad Kuhn. Er ist übrigens auch Dramaturg für den Ring 2020.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü