Vor der Premiere der Götterdämmerung am Landestheater Linz: Wolfgang Haendeler (Dramaturgie), Dirigent Dennis Russell Davies und Regisseur Uwe Eric Laufenberg, der 2016 den Parsifal bei den Bayreuther Festspielen inszeniert.

Meese-Nachfolger inszeniert Linzer Ring

Vor der Premiere der Götterdämmerung am Landestheater Linz: Wolfgang Haendeler (Dramaturgie), Dirigent Dennis Russell Davies und Regisseur Uwe Eric Laufenberg, der 2016 den Parsifal bei den Bayreuther Festspielen inszeniert.

Optimistisch vor der Premiere der Götterdämmerung am Landestheater Linz: Wolfgang Haendeler (Dramaturgie), Dirigent Dennis Russell Davies und Regisseur Uwe Eric Laufenberg, der 2016 den Parsifal bei den Bayreuther Festspielen inszeniert.

Ein schöner Zufall führt uns nach Linz in Oberösterreich. Die Donaustadt zwischen Passau und Wien gelegen, hat sich zusammen mit dem Land Oberösterreich für satte 150 Millionen Euro ein schickes neues Opernhaus geleistet. Von so etwas träumt man hierzulande (oder denkt an die Hamburger Elbphilharmonie…). Man muss aber auch sagen, Linz verfügt mit dem Anton-Bruckner-Orchester und seinem Chef Dennis Russell Davies über ein echtes Aushängeschild und investiert kräftig, um seinen Ruf als Industriestadt in den einer Kulturstadt zu wandeln. Das funktioniert ganz gut.

“Festival der Tage anstrengender Musik”

Vor allem, wenn man sich zur Eröffnung seines neuen Opernhauses gleich einen richtig schweren Brocken gönnt: Richard Wagners „Ring des Nibelungen“, der sich am Samstag, 7. Februar, mit der „Götterdämmerung“ schließt. Regie führt Uwe Eric Laufenberg, der Meese-Nachfolger für Parsifal 2016 bei den Bayreuther Festspielen.

Erste Premiere seit der Bayreuther Verpflichtung

Ein Spaziergang ist Wagner und der Ring natürlich nicht, gibt Dennis Russell Davies bei der Pressekonferenz unumwunden zu, als er über ein „Festival der Tage anstrengender Musik“ scherzt.

Drei Ring-Werke hat Regisseur Uwe Eric Laufenberg bereits abgeliefert. Diese Premiere wird jedoch ganz besonders beachtet. Denn im November kam für Laufenberg (54), derzeit Intendant des Hessischen Staatstheaters in Wiesbaden, der Ritterschlag: Er wird Regisseur in Bayreuth. Kein Engagement wie jedes andere, nicht einmal wie jedes andere in Bayreuth. Laufenberg setzt den „Parsifal“ 2016 in Szene. Das Bühnenweihfestspiel sollte ja eigentlich Krawallkünstler Jonathan Meese übernehmen. Sein Konzept kam gut an, dann wurde es zu teuer. Es gab Zoff um die Kosten, die sich auch im neuerlichen Anlauf nicht regeln ließen, und originell soll die Idee nun auch nicht mehr gewesen sein, wie festspieleblog.de mittlerweile erfahren hat. Insgesamt aber hätte angeblich die Produktion annähernd so viel Geld verschlungen, wie der komplette Castorf-Ring, hören wir aus dem Festspiele-Umfeld. Bei solchen Dimensionen wird die Notbremse vielleicht doch nachvollziehbar. Und nach Billig-Produktion sieht der aktuelle Bayreuther Ring nicht aus.

Jedenfalls flog Meese im November wegen unvereinbarer Kostenvorstellungen raus. Meese tobte, Bayreuth hatte wieder Negativ-Schlagzeilen. Katharina Wagner, bald alleinige Festspielchefin, sei vor dem Verwaltungsrat eingeknickt, hieß es. Die Geldfrage sei nur ein billiger Vorwand gewesen. Denn es war kein Geheimnis, dass Meese von der konservativen Fraktion abgelehnt wurde. Argumente, die in der Folgezeit auch Jonathan Meese kräftig pflegte. Und was wie immer von den Festspielen unkommentiert bliebt und bleibt. Man weiß auf dem „Hügel“, dass sich ein Sturm wieder legt. Und so kam es auch.

Parsifal-Regiebuch fertig

Nur Tage nach dem Meese-Rauswurf wurde der Nachfolger präsentiert: Uwe Eric Laufenberg. Wer nun wen angerufen hat, er Katharina Wagner oder sie ihn, lässt sich nicht letztlich klären. Jedenfalls traf man sich sehr kurzfristig auf halbem Weg zwischen Bayreuth und Frankfurt an einer Autobahnraststätte und war sich schnell einig. Laufenberg hat ein Parsifal-Konzept, geplant für die Kölner Oper. Zur Realisierung kam es wegen Streitigkeiten nicht mehr. Laufenberg verließ Köln, mit seinem Parsifal-Regiebuch in der Tasche. Doch davon ein anderes Mal.

Wer weiß, wie die Zukunft aussieht?

Jedenfalls beobachten Wagnerianer diesen Linzer-Ring nun mit ganz anderer Neugier. Und so freut sich Intendant Rainer Mennicken über Bestellungen des Ring-Zyklus’ nicht nur aus der Nachbarschaft Bayern, sondern auch anderen Teilen Deutschlands. 22 der 38 Ring-Vorstellungen sind schon gespielt. Über 30 000 Karten wurden verkauft. Tickets sind aber noch zu haben (www.https://www.landestheater-linz.at/DE/sitemap/lth/musiktheater)

„Götterdämmerung“ ist Endzeitstimmung. Wie die auf die Bühne gebracht wird, gibt Regisseur Uwe Eric Laufenberg unumwunden zu, „war schwierig“. Denn am Ende geht es in die Zukunft — und wer weiß schon, wie die aussieht? Seiner Beschreibung zufolge geht es einerseits um Macht und Vernichtung, die durch Kleinigkeiten ausgelöst werden kann, und anderseits um eine ganz normale Menschen, die zwar Götter sind, „die mit der Macht nichts mehr anzufangen wissen“. Siegfried ist ein Frauenheld; Brünnhilde von Vater (Wotan) und Mann (Siegfried). Jeder hätte anders entscheiden können, als er entschieden hat: „Das geht so zu Herzen, dass Fehler letztlich nicht zu korrigieren sind — das zeigt ja die Wagner-Familie im Grunde auch“, sagt der Regisseur bei der Pressekonferenz.

Auftritt Wotan

Verraten wurde dabei auch: Wotan, eigentlich kein Part der “Götterdämmerung”, tritt in Linz wieder auf. Bei der Premiere wird er sogar von Sänger Gerd Grochowski dargestellt; später übernimmt ein Statist.

Wie der „Ring“ in Linz sich schließt, darüber wird festspieleblog.de natürlich berichten.

(Fotos: Christoph Breiner/Karl Forster (Titel); beide Landestheater; ek)

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